VTO Explorer: Eine Kollektion auf dem eigenen Gesicht vergleichen

Die virtuelle Anprobe (VTO) auf einer Produktseite kommt ins Spiel, wenn eine Fassung bereits Aufmerksamkeit geweckt hat. Ein wichtiger Teil der Auswahl findet jedoch früher statt: bei der Entscheidung, welche Modelle einen genaueren Blick verdienen. VTO Explorer bringt die Ansicht auf dem eigenen Gesicht in diese Phase. Eine geführte Gesichtserfassung wird wiederverwendet, um mehrere Fassungen mit derselben Referenz zu zeigen. Damit ändern sich die Vergleichsgrundlage, der Aufwand vor den ersten Ergebnissen und die Kriterien für die Qualität des Erlebnisses.
In einem herkömmlichen Katalog werden Artikel anhand von Stilllebenfotos oder Fotos an unterschiedlichen Models verglichen. Die Besucher müssen sich diese Darstellungen auf ihrem eigenen Gesicht vorstellen. Beim personalisierten Erkunden wird das Verhältnis zwischen Fassung und Gesicht unmittelbar Teil der Sortimentsdarstellung.
Die Veränderung geht über den Austausch der Bilder auf den Produktkarten hinaus. Das Erlebnis muss Varianten vergleichbar machen, die Qualität der Gesichtserfassung bewahren und beim Aufbau einer Vorauswahl helfen. Dabei muss klar bleiben, was gerendert und was tatsächlich bewertet wurde.
Eine gemeinsame Referenz verändert den Vergleich von Fassungen
Bei der Live-Anprobe folgt die Darstellung dem Kamerabild und den Bewegungen des Gesichts. Bei VTO Explorer liefert eine geführte Gesichtserfassung Bilder und geometrische Referenzen, aus denen die Ansichten der verschiedenen Varianten zusammengesetzt werden. Die Erfassung kann mehrere Posen umfassen, die beim Erkunden wieder aufgerufen werden.1
Durch die Wiederverwendung derselben Referenz bleiben einige Vergleichselemente konstant: Gesicht, erfasste Pose, Bildausschnitt und Aufnahmebedingungen. Zwei Bilder unterscheiden sich dann vor allem durch die gezeigten Fassungen und deren Darstellung. So lassen sich das Verhältnis zwischen Fassungsfront und Gesicht, die obere Fassungslinie oder die Wirkung einer Farbe leichter beurteilen, ohne den visuellen Kontext jedes Mal neu herstellen zu müssen.
Vergleichbarkeit setzt jedoch voraus, dass die Darstellung physische Unterschiede bewahrt. Wird jedes Bild so vergrößert, dass es die Produktkarte ausfüllt, können zwei unterschiedliche Glasbreiten ähnlich groß wirken. Die Benutzeroberfläche auszurichten und einen zum Artikel passenden Maßstab beizubehalten, sind unterschiedliche Anforderungen, die gemeinsam betrachtet werden müssen.
Auch die Pose spielt eine Rolle. Die Frontansicht zeigt einen Teil des Verhältnisses zwischen Fassung und Gesicht; eine Seitenansicht ergänzt Informationen zu Bügeln und Profil. Um zwei Modelle zu vergleichen, muss erkennbar sein, ob gleichwertige Posen betrachtet werden und welche Ansichten tatsächlich verfügbar sind.
Die Erfassungsqualität wirkt sich auf die gesamte Auswahl aus
Eine einzige, wiederverwendete Gesichtserfassung verringert die Notwendigkeit, den Ablauf zu wiederholen. Ihre Bedingungen wirken sich jedoch auf alle folgenden Darstellungen aus. Ein problematischer Bildausschnitt, eine ungenaue geometrische Referenz oder ein schlecht segmentierter Gesichtsbereich können eine ganze Gruppe von Fassungen betreffen.

Es gibt nur eine Erfassung: Ihre Fehler wiederholen sich bei jeder Fassung.
Daraus ergibt sich die Unterscheidung zwischen gemeinsamen und artikelbezogenen Fehlern. Erscheinen viele Fassungen auf dieselbe Weise verschoben, müssen die Gesichtsreferenz und die gemeinsame Positionierung mitgeprüft werden. Betrifft die Auffälligkeit nur eine Variante, sind auch deren Asset und die zugehörigen Informationen zu prüfen. Einen Fehler in mehreren Bildern aus derselben Erfassung zu beobachten, ist nicht dasselbe, wie ihn anhand mehrerer unabhängiger Erfassungen zu bestätigen.
Die anfängliche Prüfung muss daher Bedingungen erkennbar machen, die die spätere Nutzung beeinträchtigen: eine ungeeignete Pose, ein teilweise verdecktes Gesicht, ungünstiges Licht oder Schwierigkeiten bei der Erfassung. Die Erfassung ansehen und wiederholen zu können, ermöglicht es, die Referenz zu korrigieren, bevor sie für weitere Artikel verwendet wird.
Die endgültige Qualität hängt auch vom Zusammenspiel zwischen Brille und Gesicht ab. Die auf der CVPR 2023 vorgestellte Forschungsarbeit MEGANE zeigt, wie komplex es ist, Geometrie, Kontaktpunkte, Schatten und Materialien einschließlich Metall und transluzentem Kunststoff gemeinsam darzustellen.2 Ein gutes Ausgangsfoto allein löst dieses Problem nicht: Die Fassung muss korrekt sein, und die Bildkomposition muss ihr Verhältnis zum Gesicht berücksichtigen.
Ein personalisiertes Bild und Auswahlberatung sind unterschiedliche Fähigkeiten
Mehrere Fassungen auf demselben Gesicht zu zeigen, gibt Besuchern eine persönliche Vergleichsreferenz. Das bedeutet nicht, dass das System Artikel nach ihrer Eignung sortiert oder ermittelt hat, welche Fassung gewählt werden sollte.
Eine Sortierung kann von der Kampagne, dem Sortiment oder den Prioritäten der Marke abhängen. Ein Filter kann angegebene Artikelmerkmale verwenden. Ein Empfehlungssystem benötigt dagegen eigene Kriterien, Daten und eine Bewertung der Qualität seiner Vorschläge. Die Gestaltung muss deutlich machen, welche dieser Logiken die Auswahl bestimmt.
Die Unterscheidung gilt auch für die Passform. Eine Darstellung kann helfen, Proportionen und Aussehen zu beurteilen. Der Druck der Bügel, die Art, wie die Fassung aufliegt, und der Tragekomfort über längere Zeit erfordern dagegen andere Prüfungen. Die Fassungsmaße und das Gespräch mit dem Augenoptiker behalten daher ihre Bedeutung im Ablauf.
Der spezifische Beitrag von VTO Explorer besteht darin, die Ansicht auf dem eigenen Gesicht während des Stöberns verfügbar zu machen. Welche Artikel mit welchen Merkmalen und gegebenenfalls welcher Unterstützung gezeigt werden, bleibt Teil der kommerziellen Planung und der Gestaltung der Benutzeroberfläche.
Die anfängliche Erfassung muss zur Aufgabe des Besuchers passen
Eine geführte Gesichtserfassung erfordert Aufwand, bevor Ergebnisse sichtbar werden. Ihr Wert für die Person hängt davon ab, wie viele Alternativen sie erkunden möchte und wie sehr der personalisierte Vergleich hilft, diese zu unterscheiden.
Für jemanden, der nur eine bereits gewählte Fassung prüfen möchte, kann es sinnvoll sein, die Live-Anprobe zu starten. Wer eine erste Vorauswahl aufbaut, kann den Anfangsaufwand durch die Wiederverwendung der Erfassung für mehrere Artikel auf einen größeren Teil der Suche verteilen. Es gibt jedoch keine allgemeingültige Anzahl von Modellen, ab der ein Weg vorzuziehen ist: Entscheidend sind der angebotene Ablauf und die tatsächlichen Nutzungsbedingungen.
Die Erläuterung vor der Erfassung muss das zu erwartende Ergebnis deutlich machen. Die Person muss verstehen können, dass sie die Kollektion auf ihrem eigenen Gesicht sehen wird, und eine Möglichkeit haben, ohne Aktivierung dieses Modus weiterzustöbern. Werden die Ergebnisse nach und nach bereitgestellt, muss auch der Stand ihrer Vorbereitung erkennbar sein.
Der Umgang mit der Erfassung ist eine weitere Architekturentscheidung. Lokale Verarbeitung, Speicherung im Browser und ein etwaiger Versand der Bilder sind unterschiedliche Vorgänge. Das Projekt muss festlegen, welche davon in der gewählten Bereitstellung vorgesehen sind, wie lange die Daten benötigt werden und wie die Person ihre Personalisierung entfernen kann. Die Möglichkeit, auf dem Gerät zu rendern, beschreibt allein noch nicht alle Datenflüsse des Dienstes. Klarheit darüber gehört zum Erlebnis: In der Forschung zur virtuellen Anprobe von Brillen geht räumliche Präsenz mit mehr Gelassenheit bei der Entscheidung einher. Diese zusätzliche Gelassenheit nimmt ab, wenn die Bedenken gegenüber dem Umgang mit persönlichen Daten zunehmen.3
Der personalisierte Katalog muss während der Vorbereitung nutzbar bleiben
Ein breites Sortiment kann viele Bildkompositionen erfordern: Jede Variante lässt sich in den erfassten Posen darstellen. Ein rein veranschaulichendes Beispiel mit 24 Varianten und zwei Posen ergibt 48 mögliche Bilder, noch bevor weitere Artikel oder neue Erfassungen berücksichtigt werden.
Diese Arbeit muss nicht vollständig vor jeder Interaktion erfolgen. Eine schrittweise Vorbereitung kann sichtbare Artikel und von der Person angeforderte Artikel priorisieren und bereits erzeugte Bilder verfügbar halten. Die Orchestrierung von VTO Explorer trennt die Erfassung von der Bildvorbereitung und steuert das Rendering in Variantengruppen, auch unter Berücksichtigung ihrer Sichtbarkeit.4
Diese Entscheidung erfordert eine Abwägung. Viele Ansichten im Voraus vorzubereiten, kann den späteren Vergleich beschleunigen, beansprucht aber Netzwerk, Speicher und Grafikleistung für Inhalte, die womöglich nie angesehen werden. Nur wenige vorzubereiten, konzentriert die Arbeit auf relevante Artikel, kann jedoch beim Scrollen oder beim Filterwechsel Wartezeiten verursachen.
Auch die Reihenfolge, in der Bilder erscheinen, muss nachvollziehbar bleiben. Wird eine Produktkarte früher personalisiert als eine andere, weil ihr Asset schneller eintrifft, sollte dies nicht wie eine Empfehlung des Systems wirken. Ein verspätetes Ergebnis und ein durch einen Filter ausgeschlossener Artikel sind unterschiedliche Zustände, ebenso wie eine nicht verfügbare Ansicht und eine nicht verkäufliche Variante.
Die Qualitätsprüfung muss diese Fälle ebenso berücksichtigen wie die Geschwindigkeit bis zum ersten Bild. Die Stabilität des Rasters, das Beibehalten der Filter und das Verhalten nach einer neuen Erfassung gehören zum Vergleichserlebnis.
Mehr sichtbare Artikel garantieren keine einfachere Auswahl
Personalisierung kann einen Vergleich unmittelbarer machen, ohne automatisch die Zahl der Alternativen zu verringern, die eine Person bewerten muss. Deshalb geht das Gestaltungsziel über die Anzahl gezeigter Fassungen hinaus.
Die Forschung zur Überforderung durch zu viel Auswahl mahnt zur Vorsicht bei Verallgemeinerungen. Die Metaanalyse von Scheibehenne, Greifeneder und Todd fand einen durchschnittlichen Effekt von nahezu null bei zugleich großen Unterschieden zwischen den Studien.5 Die spätere Arbeit von Chernev, Böckenholt und Goodman benennt relevante Bedingungen wie die Komplexität der Auswahl, die Schwierigkeit der Entscheidungsaufgabe, Unsicherheit über die eigenen Präferenzen und das Entscheidungsziel. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren finden die Autoren im Gegensatz zur früheren Metaanalyse einen signifikanten Gesamteffekt.6 Die beiden Arbeiten unterscheiden sich im durchschnittlichen Ergebnis und stimmen darin überein, was für die Gestaltung zählt: die Bedingungen, unter denen die Wahl stattfindet.
Für einen Brillenkatalog folgt daraus, den Vergleich zu strukturieren: einheitliche Merkmale, nützliche Filter, erkennbare Varianten und eine Möglichkeit, bereits betrachtete Fassungen festzuhalten. Wer eine Kollektion frei erkunden möchte, hat andere Bedürfnisse als jemand, der zwischen drei Alternativen wählen muss.
Eine gespeicherte Vorauswahl oder ein Schritt zur genaueren Betrachtung muss die Referenz zur Variante bewahren. Erkennt der Kunde nur das Bild auf seinem eigenen Gesicht wieder, verliert aber beim Öffnen der Produktseite Modell und Farbe, endet der Nutzen des Vergleichs beim Ansichtswechsel.
Den Beitrag zur Vorauswahl messen
Bei der Bewertung von VTO Explorer müssen abgeschlossene Erfassungen, gerenderte Bilder, tatsächlich angezeigte Bilder und bewusste Interaktionen unterschieden werden. Das System kann als Folge einer einzigen anfänglichen Handlung viele Darstellungen erzeugen: Diese Zahl beschreibt die geleistete Systemarbeit, nicht ebenso viele Entscheidungen des Besuchers.
Eine hilfreiche Analyse umfasst mindestens zwei Schritte. Der erste betrifft die Fähigkeit, vom Wunsch nach Personalisierung zu nutzbaren Ergebnissen zu gelangen, mit Blick auf Zeiten, Abbrüche und Probleme. Der zweite betrifft das, was die Person mit diesen Ergebnissen macht: die Vorauswahl eingrenzen, eine Fassung genauer betrachten, zum Vergleich zurückkehren oder zum Vertriebskanal weitergehen.
Die Möglichkeiten, einen Artikel zu sehen, spielen eine Rolle. Ein früher vorbereiteter, weiter oben platzierter oder in den anfänglichen Filtern enthaltener Artikel kann mehr Interaktionen erhalten. Um eine Präferenz zu interpretieren, braucht es neben der Zahl der Aufrufe auch Informationen über die Darstellung. Die Kennzahlen müssen in der konkreten Integration geplant und überprüft werden, ohne vorauszusetzen, dass jeder Schritt bereits erfasst wird.
Auch die verbrachte Zeit kann Unterschiedliches bedeuten: interessiertes Erkunden, Warten auf die Vorbereitung oder Schwierigkeiten bei der Entscheidung. Der Vergleich mit dem bisherigen Erlebnis muss deshalb sowohl die operative Qualität als auch die Aufgabe des Besuchers berücksichtigen. Ein Effekt auf Käufe oder Retouren erfordert eine weitere Bewertung mit dem im Artikel über das Pilotprojekt erläuterten Untersuchungsdesign.
VTO Explorer ermöglicht es, das eigene Gesicht in die Betrachtung einer Kollektion einzubeziehen. Der Wert dieses Modus hängt davon ab, die Artikel vergleichbar zu halten, die Vorbereitung der Ergebnisse transparent zu machen und eine wiedererkennbare Vorauswahl bis zur genaueren Betrachtung zu begleiten. An dieser Kontinuität lässt sich der Beitrag des personalisierten Erkundens zur Brillenwahl bewerten.
Quellen
-
Knowledge Base ARShades, VTO Explorer, Overview: Unterschiede zwischen Erfassung und Varianten-Rendering sowie Live-Anprobe. ↩
-
Li, J., Saito, S., Simon, T., Lombardi, S., Li, H. und Saragih, J. (2023), MEGANE: Morphable Eyeglass and Avatar Network, CVPR, S. 12769–12779. ↩
-
Hilken, T., de Ruyter, K., Chylinski, M., Mahr, D. und Keeling, D. I. (2017), Augmenting the eye of the beholder, Journal of the Academy of Marketing Science, 45, 884–905; Studie 4 mit einem virtuellen Spiegel für Sonnenbrillen. ↩
-
Knowledge Base ARShades, VTO Explorer, Structure: Ebenen für Erfassung, Orchestrierung und Rendering. ↩
-
Scheibehenne, B., Greifeneder, R. und Todd, P. M. (2010), Can There Ever Be Too Many Options? A Meta-Analytic Review of Choice Overload, Journal of Consumer Research, 37, 409–425, DOI 10.1086/651235; Eintrag im Repositorium der Universität Basel. ↩
-
Chernev, A., Böckenholt, U. und Goodman, J. (2015), Choice overload: A conceptual review and meta-analysis, Journal of Consumer Psychology, 25, 333–358, auf der Website des Autors veröffentlichter Text. ↩
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